Kein Herr im eigenen Haus

Die Zahl der Amerikaner, die Eigentümer ihres Hauses oder ihrer Wohnung sind, ist auf den tiefsten Stand der letzten 15 Jahre gefallen. Waren im Jahre 2004 noch etwas über 70 Prozent stolze Besitzer ihres Heims, sind es jetzt gerade noch knapp 65 Prozent – ein niedriger Wert in einem Land, das traditionell auch von politischer Seite den Besitz der «eigenen vier Wände» propagiert und gefördert hat.

Obwohl die Immobilienpreise und Zinsen drastisch gefallen sind, können sich immer weniger Amerikaner ein eigenes Heim leisten. Experten schätzen, dass die Quote bis 2015 auf 64 Prozent zurückgehen wird, Tendenz weiter fallend. Diese Zahlen stammen aus der offiziellen Statistik. Zieht man davon aber die Hausbesitzer ab, die mindestens 90 Tage mit ihren Zahlungen im Verzug sind, so liegt der Prozentsatz heute nur noch bei 62,1 Nach meiner Ansicht wird der Anteil der Eigenheimbesitzer in ein paar Jahren auf unter 60 % sinken. In der Altersgruppe der 35 bis 44-Jährigen fiel die Quote zuletzt innerhalb nur eines Jahres um 3 Prozent auf 61,4 Prozent. Die nachfolgende Graphik zeigt die Entwicklung seit 1991. Die blaue Linie ist die offizielle Statistik, die rote zeigt den effektiven Prozentsatz.

 

Die Gründe für die Entwicklung sind vielschichtig. Über fünf Millionen Eigentümer haben in den vergangenen Jahren ihre Wohnungen und Häuser durch Zwangsversteigerung verloren. Diese Gruppe erhält von den Banken naturgemäß für geraume Zeit keine Hypothek mehr und wird zu Mietern.

Doch auch potentielle Käufer mit besserer «Credit History» erhalten nur noch sehr schwer eine Finanzierung. Die Banken haben ihre Beleihungsvorschriften drastisch verschärft. Wer nicht an einem der vielen Regierungsprogramme partizipieren kann (Fannie Mae, Freddie Mac, Federal Housing Authority, Ginnie Mae oder Veterans Agency), muss häufig 25 bis 30 Prozent an Eigenkapital mitbringen.

Früher haben die Eltern traditionell den ersten Hauskauf ihrer Sprösslinge finanziert. Dieses war oft problemlos möglich, hatte sich doch der Wert des Elternhauses über die Jahre erheblich erhöht und konnte beliehen werden. Im Moment sind aber immer noch (je nach Quelle und Berechnungsweise) etwa 11 bis 16 Millionen Immobilieneigentümer «unter Wasser», das heißt, die Hypotheken übersteigen den Wert der Immobilie. Somit fällt diese Finanzierungsquelle der Erstkäufer weg. Nimmt man durchschnittlich 2,6 Personen pro Haushalt an, so sind 40 Millionen Amerikaner betroffen.

Die Leerstandquote bei Mietwohnungen ist parallel dazu auf 4,9 Prozent gefallen, bei Häusern auf 8,8 Prozent. In den letzten Jahren waren Mietwohnungen der florierendste Sektor im Bereich der gewerblichen Immobilien. Gemäß Bloomberg TV werden in den nächsten fünf Jahren weitere sechs Millionen Eigentümer ihre Bleibe verlieren und somit vier Millionen neue Miethaushalte schaffen.

Meine Schlussfolgerungen: Die Immobilienkrise erst zur Hälfte überwunden – und Mietwohnungen werden weiterhin eine der besten Anlagemöglichkeiten in den Vereinigten Staaten bleiben.

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Eine Antwort zu “Kein Herr im eigenen Haus

  1. Hallo Rainer,
    erstmal freue ich mich sehr, dass nach so langer Zeit wieder ein Blog von Dir erschienen ist. Und wie immer war er gut und einleuchtend geschrieben und sehr interessant. Weiter so…..
    Viele Grüße

    Herbert

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