USA on Sale?

Vor einigen Wochen publizierte die Weltbank in Washington einen interessanten Bericht zum Thema »Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten«. Demnach wird die USA auch in zehn Jahren noch die grösste Wirtschaft der Welt sein und der Dollar die führende Reservewährung darstellen (Reservewährung ist die Währung eines Landes, die von den Zentralbanken anderer Länder über die Menge hinaus, die zur Abwicklung des Außenhandels nötig ist, zum Zwecke der Währungsreserve gehalten wird). Die bestehende und auch weiterhin ansteigende Verschuldung der USA wird laut Meinung der Analysten aber zu gravierenden Änderungen führen.

Die untenstehende Graphik zeigt die Entwicklung der internationalen Investmentposition der USA. Seit 1990 ist sie auf negative 3 Billionen Dollar angewachsen. In den nächsten 15 Jahren könnte sich dieser Betrag gemäss der Weltbank-Studie auf 13 Billionen Dollar erhöhen. Ausländer – insbesondere China und andere asiatische Länder – würden dann in noch grösserem Umfang (siehe auch meinen Artikel vom 12. April 2011) US-Vermögenswerte (Staatsanleihen, Aktien, Firmenbeteiligungen und Immobilien) besitzen.

Der Super-Investor Warren Buffett hat bereits im Jahre 2003 in der Zeitschrift FORTUNE auf die Gefahren einer solchen Entwicklung aufmerksam gemacht. Er verglich die USA damals mit einer »immens reichen Familie, die jährlich vier Prozent mehr konsumiert als sie produziert«. Als Folge müsse sie jeden Tag mehr und mehr von ihrem Vermögen verkaufen oder verpfänden.

Natürlich hat niemand wirklich eine konkrete Vorstellung davon, wie die Welt und die Wirtschaft in 15 Jahren aussehen werden. Unbestritten ist aber, dass die ausländischen Investitionen in den USA eine steigende Tendenz aufweisen.

Muss das aber schlecht oder gar verhängnisvoll sein?

In den 80er Jahren investierten japanische Firmen mehr als eine Billion Dollar in den USA und beschäftigten fast 700.000 Personen. Für Verwerfungen sorgte das damals nicht – im Gegenteil: Die Investoren wurden mit offenen Armen begrüßt. Und die USA haben die japanischen Investitionswelle gut überstanden.

Gegenüber chinesischen Investitionen besteht heute indes vielfach noch ein größeres Misstrauen. Die Vermutung: Wenn chinesische Firmen in die USA kommen, muss dies auch immer einen politischen Hintergrund haben. Dabei könnten in den nächsten Jahren Milliarden von Dollar an chinesischem Kapital in die USA fliessen und so eine enorme Anzahl von Arbeitsplätzen geschaffen werden. China hält über 1,1 Billionen Dollar an US-Staatspapieren und wird sicher attraktivere Anlagemöglichkeiten im Dollar suchen. Im Jahre 2010 investierte China bereits über 5 Milliarden Dollar in den USA und schuf mehr als 10.000 Stellen. Aktuelles Beispiel: Die China National Machinery Corporation plant, um den Flughafen von Boise/Idaho herum einen High-Tech-Standort inklusive Wohnungen und Shopping Center zu entwickeln. Welcher lokale Politiker würde sich aus politischen Erwägungen dagegen stellen wollen?

Auch von Seiten des Weissen Hauses werden die ausländischen Investoren derzeit ermuntert. Dies zu einem Zeitpunkt, an dem Präsident Barack Obama die Kampagne seiner Wiederwahl plant, bei der er gegen eine Arbeitslosenquote von 9,2 Prozent angehen muss. »In einer Zeit, in der wir jedes zur Verfügung stehendes Mittel zur Wiederbeschäftigung der Amerikaner und zur Förderung des Wachstums der heimischen Wirtschaft nutzen müssen, stellt die Ankurbelung ausländischer Direktinvestitionen ein wichtiges Mittel dar, um unsere wirtschaftliche Erholung zu beschleunigen«, verkündete Obama zuletzt.

Ausländische Firmen werden meiner Ansicht nach auch vermehrt Produktionsstätten in den USA errichten. Und dies zum Teil aus ähnlichen Gründen, wegen derer US-Firmen ihre Produktionen wieder in die USA verlagern: höhere Qualitätsstandards hierzulande, Unabhängigkeit vor Währungsfluktuationen, Reduzierung der Kapitalkosten, besserer Schutz von geistigem Eigentum etc. (siehe meinen letzten Blog).

Die Renditen der US-Staatspapiere werden für die nächsten Jahre tief bleiben. Somit suchen die Investoren nach besseren Anlagemöglichkeiten. Dies wird zu unter anderem zu einer höheren Nachfrage nach gewerblichen US-Immobilien führen, bieten diese doch deutlich höhere Renditen als Wertpapiere und zudem erhebliche steuerliche Vorteile.

2 Antworten zu USA on Sale?

  1. Die derzeit groesste Gefahr fuer praktisch alle Anlagearten weltweit sind staatliche Lenkungsmassnahmen “wohlwollender” Politiker und Zentral- banker: Probleme sind heutzutage globaler Natur aber Politiker und Zentral-banker koennen nur auf nationaler Ebene handeln. Zeiten des Umbruchs, so wie jetzt, sind immer Perioden in denen sehr Wenige reich, die breite Mehrheit arm werden. Tangible assets, “anfassbare Werte”, sei es Immobilien oder Commodities, sind in diesen Zeiten eine sinnvolle Alternative. Bei Immobilien muss man allerdings die Besteuerung durch den Staat im Auge behalten.

  2. Das ist eine sehr interessante Ansicht, mit einem historischen Beispiel.
    Es kann so kommen, um seine eigenen Assets in USA zu erhalten und zu schützen. Werden nicht ASIEN, insbesondere CHINA und die USA die beiden Pole werden, die die Weltwirtschaft bestimmen werden. Europa wird in seinem selbstlosen Einsatz für den Erhalt einer Staatsidee untergehen.
    Lassen wir noch auf die verschiedenen Assets schauen.
    In einer Zeit, wo Papiergeld immer mehr um Akzeptanz kämpfen muss, sind stabile Sachwertanlagen mit Erträgen sinnvoll. Sollte sich das Besteuerungssystem in den USA für Real Estate nicht verschlechtern, kann dies internationale Investoren auf dem erreichten Berwertungsniveau anziehen.

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