Die grundsätzlichen Gefahren der Weltwirtschaft sind meiner Ansicht nach auch im Jahr 3 nach der Finanzkrise nicht gebannt. Sie wurden – vereinfacht gesagt – nur schlicht vom privaten Sektor auf die öffentliche Hand übertragen.
Die oben stehende Graphik zeigt die Neuverschuldung der öffentlichen Hand (rot) und der Privatwirtschaft (blau) in Milliarden $ von 1979 bis 2010.
Immerhin: Die Investoren haben zur Kenntnis genommen, dass übermäßiges »Leverage« zu Blasen in bestimmten Vermögensklassen führt. Natürlich freut sich jeder, wenn durch Einsatz von Fremdkapital die Eigenkapitalrendite einer Investition gesteigert werden kann. Das geht jedoch nur so lange gut, wie der Anleger Fremdkapital zu günstigeren Konditionen aufnehmen kann als die Investition an Rentabilität erzielt. Bei ansteigender Verschuldung können aber auch geringe Variationen der Fremdkapitalzinsen zum finanziellen Super-GAU führen. Vor diesem Hintergrund müsste derzeit eigentlich ein massives »Deleveraging« stattfinden. Es wird Sie aber wenig überraschen, dass es dieses nicht tut.
Blick zurück: Der damalige Notenbankchef Alan Greenspan hatte nach dem Platzen des Dot.com-Booms die Zinsen auf ein historisch niedriges Niveau gesenkt und somit der Immobilienblase Vorschub geleistet. Anschließend übergab er die Zügel an »Helikopter Ben« und verließ die Bühne. Gemeint ist natürlich der derzeitige Fed-Chef Ben Bernanke, der gesagt hat, dass die US Regierung eine Technologie hat mit Namen Notenpresse, die es ihr erlaubt so viele US Dollar wie gewünscht zu drucken und das ohne zusätzliche Kosten. Milton Friedman hat seinerzeit das Bild des Helikopters von dem Geld in die Wirtschaft geworfen wird, geprägt. Dies zum Hintergrund wieso Bernake in Finanzkreisen seinen markanten Spitznamen erhielt.
Im Jahre 2008 standen wir dann vor einer Liquiditätskrise, nun erleben wir eine Krise der Bonität von Staaten und öffentlichen Körperschaften. Sowohl die USA als auch die Europäische Union sehen sich einer masslosen Überschuldung ausgesetzt.
Was wird passieren? Die USA und andere Staaten werden die Leitzinsen tief halten: Einerseits, um ihre Haushalte nicht noch mehr zu belasten. Zum anderen, um die zaghaft anziehende Wirtschaft nicht abzuwürgen. Ich sehe die gerade erfolgte Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank nicht als Beginn massiver Zinserhöhungen. Da die Sparquote in den USA nicht ausreicht, um das Haushaltsdefizit zu finanzieren (im Gegenteil etwa zu Deutschland), sind die USA darauf angewiesen, dass ausländische Investoren US-Rentenpapiere erwerben. Die grössten Gläubiger sind China, Japan, die Ölstaaten des Mittleren Ostens, Brasilien, Korea, Russland. Allein China hält über 2 Billionen Dollar an US-Werten, davon fast 1 Billion Dollar in US-Staatspapiere.
Mit der Schaffung der ESM wird aus der europäischen Währungsunion eine Transferunion. Die Deutschen haften solidarisch für die fiskalischen Fehler der anderen EU Länder. Auch die Deutschen sehen sich über die nächsten Jahrzehnte mit steigender Staatsverschuldung und Rekordhaushaltsdefiziten konfrontiert und das bei abnehmender Bevölkerung, die zudem immer älter wird. Die USA können wenigstens Bevölkerungswachstum verzeichnen. Die US sind in den letzten 10 Jahren um 30 Millionen Einwohner gewachsen.
Die USA sind weiterhin die Wirtschaftsmacht Nummer 1. Um das einmal etwas ins Verhältnis zu setzten. Die nachstehende Graphik zeigt das Bruttosozialprodukt der US Bundesstaaten im Vergleich zu anderen Ländern. Texas hat die gleiche Wirtschaftsleistung wie Russland, Kalifornien wie Italien und Florida wie die Niederlande.
Ich rechne damit, dass ab 2012 oder spätestens 2013 das Inflationsrisiko in den USA erheblich zunehmen wird. Die Fed hat die Geldmengen-Zügel zur Überwindung der Finanzkrise bewusst gelockert. In den USA liegt der Anteil der Überschussreserven an der Zentralbankgeldmenge inzwischen bei über fünfzig Prozent. Theoretisch könnte das US-Bankensystem die Geldmenge damit auf mehr als das Doppelte ausweiten. Die US-Geldbasis ist innerhalb der letzten paar Jahre förmlich explodiert und das ganze Geld beginnt jetzt bis zum Verbraucher durchzusickern.
Die Rohstoffpreise schießen buchstäblich durch die Decke und es ist unvermeidlich, dass sich diese Preisanstiege schon bald bei den Waren in den Geschäften niederschlagen werden. Der US-Dollar ist bereits beträchtlich abgesackt. Und Helikopter Ben lässt fleissig weiter die Druckmaschinen laufen. Meiner Ansicht nach stellt sich nicht die Frage, ob die Inflation kommt. Sondern einzig und allein, wann es soweit ist.
Ich denke, dass sowohl US Dollar wie auch Euro gegenüber anderen Währungen (kanadischer Dollar, Brasilianischer Real, Australischer Dollar) sinken werden. Beide Wirtschaftsräume verlieren langsam gegenüber Indien, China und Brasilien an Bedeutung. Investitionen im Fernen Osten versprechen vielleicht eine höhere Rendite, aber die kulturellen Unterschiede, die rechtlichen und politischen Unsicherheiten sind nicht zu unterschätzen. Meine Schlussfolgerung und Empfehlung ist: US Gewerbeimmobilien bieten als Sachwerte einen guten Inflationsschutz.



Ein exzellenter Blog!
Freue mich jedes Mal, wenn die E-Mail Benachrichtigung kommt. Gut – fundiert und locker geschrieben!
Bitte machen Sie weiter so Herr Filthaut!
Sehr Interessant. Damit hast Du Dir sicher ein Lunch verdient! Vielleicht koennen wir auch Helikopter Carsten mit einkoppeln? Gruss Burkhard
Hallo Herr Filthaut,
wenn ich darf, so werde ich ihren Artikel wieder in meiner unabhängigen Immobilienredaktion verwenden – http://www.immobilien-redaktion.at
herzliche Grüße aus Wien
Walter Senk
ich freue mich immer deine berichte zu erhalten und deine schlussfolgerungen finde ich total interessant. herzliche gruesse – otmar