Schluss mit »Hire-&-Quit«

»You are fired!« schmetterte der Milliardär Donald Trump am Ende jeder Folge einem der Kandidaten entgegen, die in der TV-Show »The Apprentice« um einen lukrativen Job in Trumps Konzern kämpften. In Southwest Florida hörte man solche Sprüche in den vergangenen Jahren eher selten. Kein Wunder, lag die Arbeitslosenquote mit rund drei Prozent doch bei dessen, was Wirtschaftswissenschaftler gemeinhin als »Vollbeschäftigung« bezeichnen. In solchen Zeiten überlegen es sich Arbeitgeber natürlich zweimal, einigermaßen qualifizierten Mitarbeiten die rote Karte zu zeigen …Die Arbeitgeber kämpften um jeden Jobsuchenden – ob bei den so genannten »McJobs« oder auch auf der Ebene höher qualifizierten Positionen. Es sei nicht ungewöhnlich gewesen, dass jemand ohne mit der Wimper zu zucken seinen Arbeitsplatz verlassen hätte, weil er irgendwo anders 50 Cent mehr pro Stunde verdienen konnte, erzählte mir ein befreundeter Manager einer Personalvermittlungsagentur neulich. Statt »Hire-&-Fire«, dem klassischen Bild des amerikanischen Arbeitsmarktes, also eher eine »Hire-&-Quit«-Wirtschaft. Soviel ist klar: Es stimmt zwar, dass der amerikanische Arbeitsmarkt viel flexibler ist als der europäische, doch die Flexibilität in unserer Region rührte zum größten Teil von den Arbeitnehmern, die schnell mal ihre Stelle quittieren, um anderswo eine neue anzutreten.Doch diese für Arbeitnehmer seligen Zeiten scheinen mit der allgemeinen Krise im Immobilienmarkt auch in Südwestflorida zu einem Ende zu kommen. Eine ganze Reihe von Arbeitnehmern haben SW Florida verlassen und sind nach Georgia, Tennessee, South- und North Carolina gezogen, da unter anderen dort das Leben günstiger ist und Arbeitskräfte im Baugewerbe gesucht werden. Experten prophezeien mir, dass die Arbeitslosenquote sich hier in Kürze bei 5 bis 5,5 Prozent einpendeln könnte. An sich kein schlechter Wert – aber doch schon hoch genug, dass unter Arbeitnehmern hierzulande in Zukunft wieder eine gewisse Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber Einzug halt. Was für das Arbeitsklima und das Niveau des Service ja nicht unbedingt abträglich sein muss …

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