Deflation, Inflation oder Stagflation?

Eines ist klar: Im Moment stecken wir in den USA in einer Phase der Deflation. Und man braucht kein Hellseher zu sein um vorherzusagen, dass diese im Laufe des nächsten Jahres wohl in eine mehrjährige Stagflation münden wird, auf die wiederum eine Zeit steigender Zinsen und Preise folgen dürfte. Kurz- und mittelfristig wird sich sicherlich positiv auswirken, dass die US-Zentralbank der Wirtschaft vermehrt Gelder direkt zur Verfügung stellt. Zudem sehe ich die Chancen eines zweiten Konjunkturförderungsprogramms als sehr groß an.

Angesichts dieses Szenarios ergeben sich meiner Ansicht nach in den nächsten zwei Jahren gerade im Immobiliensektor ausgesprochen interessante Anlagemöglichkeiten. Es gilt, Objekte zu tiefen Preisen zu erwerben und zu günstigen Zinssätzen langfristig zu finanzieren. Wie ich bereits in meinem letzten Blog-Beitrag erläutert habe, ist ein erfolgreiches Investment heute abhängig von tiefer Marktkenntnis und einer präzisen Planung, um die derzeit doch ausgesprochen ungewöhnlichen Rahmenbedingungen zum eigenen Vorteil zu nutzen. Wie erwähnt sehe ich durch sowohl den Kauf von Objekten, die bereits im Bestand der Banken sind, als auch durch den Kauf der entsprechenden Hypothek mit Abschlag momentan gute Möglichkeiten, auf dem Markt  für gewerbliche Immobilien in den USA mittel- und langfristig zu profitieren.

Die Turbulenzen im gesamtwirtschaftlichen Umfeld erfordern bei der Investition in Immobilien eine flexible Herangehensweise. Altbewährte Anlagestrategien nutzten den Anlegern in den letzten Monaten wenig. Es geht nämlich nicht nur darum, sein Geld in eine ganz bestimmte Asset-Klasse zu investieren, sondern seine Anlagestrategie ganz präzise dem veränderten Umfeld anzupassen. Und dabei möglicherweise von etwaigen Übertreibungen und Irrationalitäten zu profitieren.

Dass wir es im Moment eindeutig mit einer Ausnahmesituation zu tun haben, beweisen die Fakten: Die hohe Arbeitslosigkeit und die niedrige Auslastung der Industriekapazitäten haben zu deutlichen Preisreduktionen geführt. Der tiefe Dollar verteuert die Importe. Mieten von Wohn- und Gewerbeimmobilien fallen. Der Preisverfall bei den privat genutzten Immobilien ist noch nicht überall gestoppt, bei den gewerblichen Objekten kommt er jetzt erst richtig ins Rollen. Die Bürger konsumieren weniger und sparen mehr. Die Konjunkturförderungsprogramme des Staates haben nur temporäre Auswirkungen. Kleine- und mittelständische Unternehmen  erhalten von den Banken keine oder kaum noch Finanzierungen.

Einer der wichtigsten Faktoren für die künftige wirtschaftliche Entwicklung ist indes die steigende Arbeitslosigkeit. Jede Zeit hoher Inflation ging bisher einher mit deutlichem Anstieg der Löhne. Im Moment sind diese aber stagnierend bis rückgängig (minus 5  Prozent im zweiten Quartal). Die Firmen kürzen nicht nur die direkten Lohnkosten, sondern auch Sozialleistungen wie Krankenversicherung, Rentenversicherungen und Zuschüsse zur privaten Altersvorsorge. Mit 9,8 Prozent Arbeitslosen, 7 Prozent Unterbeschäftigten und 3 bis 4 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung, die die Suche aufgegeben haben, ist heute fast jeder fünfte Amerikaner arbeitslos oder unterbeschäftigt. Vor einigen Jahren war es nur einer von sechzehn.

Die Arbeitslosigkeit dürfte allerdings erst im kommenden Jahr ihren Höhepunkt erreichen. Eigentlich müssten die USA pro Monat 150.000 neue Arbeitsplätze schaffen, um die Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt zu beschäftigen. Die US-Firmen sind aber weiterhin sehr zurückhaltend bei der Einstellung von neuem Personal. Somit wird es fünf oder mehr Jahre dauern, ehe es die hohe Arbeitslosigkeit abgebaut und es wieder zu realen Lohnerhöhnungen kommen wird.

Theoretisch sollte man in einer Rezession die Wirtschaft ankurbeln, indem man die Konsumenten wieder zum Geldausgeben bewegt. Das wird diesmal aber nicht gelingen. In den letzten Jahren haben zwei massive Einbrüche an den Kapitalmärkten und der Kollaps des Immobilenmarktes zu einer massiven Reduzierung der Privatvermögen geführt. Als Folge ist die Sparquote angestiegen, die Bürger reduzieren ihre Schulden. War die Sparquote vor zwei Jahren noch negativ, so liegt sie jetzt bei 3 Prozent. Meiner Einschätzung nach wird sie aber bald auf 9 Prozent ansteigen – auf einen Wert also wie zuletzt vor 20 Jahren (bevor die Amerikaner so richtig anfingen, auf Pump zu leben). Die Dividendeneinnahmen sind um 23 Prozent und die Zinseinkünfte um 4,5 Prozent gesunken. Das Konsumverhalten der US-Bürger hat sich grundlegend und dauerhaft geändert.

Der Konjunkturaufschwung müsste also durch die Wirtschaft kommen.

Meine Hoffnung hält sich da freilich in Grenzen. Die US-Banken haben ihre Kreditvergabe massiv eingeschränkt und legen ihre Gelder – auch aus Bilanz-kosmetischen Gründen – lieber in US-Bundesschatzbriefen an. Obwohl dem Bankensystem gewaltige Liquidität von der Zentralbank zur Verfügung gestellt wird, kommt diese nicht in der Wirtschaft an. Die Banken leihen sich das Geld für 0.5 Prozent von der Zentralbank und legen es zu 2 Prozent oder mehr wieder in längerfristigen Staatspapieren an. Schneller und sicherer kann man kein Geld verdienen! Das Kreditgeschäft ist auf das Niveau von vor zwei Jahren gesunken und zeigt keine steigende Tendenz. Gemäß unten stehender Grafik sinken die Ausleihungen an kleine- und mittlere Unternehmen. Diese haben aber in den letzten zehn Jahren 60 bis 80 Prozent aller neuen Stellen geschaffen und beschäftigen mehr als 50 Prozent aller Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten.

Interessant ist hier für mich in diesem Zusammenhang auch, dass in früheren Rezessionen – anders als heute – die Ausleihungen der Banken nicht zurückgegangen sind.

Graph1 - Deflation

Meine Interpretation der jüngsten Äußerungen von Fed-Chef Ben Bernanke ist, dass die Zentralbank nicht gewillt ist, unbeschränkt Geld zu drucken. In den letzten Wochen verstärken sich die Warnungen an Kongress und Präsident Obama hinsichtlich steigender Defizite. Alternativ könnte die Zentralbank noch mehr Hypotheken, Kreditkartenguthaben, Betriebskredite und andere Finanzierungen aufkaufen. Dies hätte mehrere Vorteile: Einerseits müsste die inflationäre Geldmenge nicht wieder zurückgeholt werden. Andererseits laufen die Finanzierungen aus und werden zurückgezahlt – den Immobilienbesitzern (seien es private oder gewerbliche), den klein- und mittelständischen Unternehmen und den Konsumente wäre damit geholfen.

Die Auslastung der US-Industrie steigt zwar  wieder leicht an, liegt aber immer noch auf sehr niedrigem Niveau. Die untenstehende Grafik zeigt den tiefsten Stand, seit diese Daten erhoben werden. Auch hier ist meiner Ansicht noch lange kein Grund für inflationäre Tendenzen in Sicht.

Graph2 - Deflation

Kurzfristig können höhere Ausgaben auf Seiten des Staates geringere Ausgaben auf Seiten der Wirtschaft und der Konsumenten ausgleichen. Berücksichtigt man jedoch die gewaltigen Haushaltsdefizite, so ist dies nur temporär und begrenzt möglich. Ich gehe aber davon aus, dass wir in absehbarer Zeit ein zweites Konjunkturföderungspaket sehen werden. In einem interessanten Interview mit dem Fernsehsender CNBC erläuterte Nouriel Roubini, Chairman of RGEMonitor.com und einer der frühen Mahner vor der Finanzkrise, jetzt die fatalen Folgen eines gigantischen Haushaltsdefizits. Allein in diesem Haushaltsjahr betrug das Defizit 1,4 Billionen Dollar, die Schätzungen für die kommenden Jahre belaufen sich auf 1 Billion Dollar pro Jahr.

Meiner Meinung sind diese Annahmen sogar zu optimistisch, basieren sie doch auf der Annahme, dass die Wirtschaft jährlich um 3 Prozent wächst und die Arbeitslosenquote auf 5 Prozent zurückgeht. Ohne Änderungen der jetzigen Haushaltspolitik sehe ich einen Anstieg des jährlichen Defizits auf 2 Billionen Dollar in fünf Jahren mit allen negativen Folgen, die eine solche Verschuldung auf Dauer für Wirtschaft und Gesellschaft mit sich bringen würde.

Cash ist King

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Preise für gewerbliche Immobilien sind in den USA innerhalb kurzer Zeit um 30 bis 50 Prozent gefallen. Parallel dazu sinken die Mieten und erhöhen sich die Leerstände. Finanzierungen sind derzeit praktisch nicht mehr erhältlich. Doch was des einen Leid ist des anderen Freud: Dem Investor mit Cash bieten sich momentan ungeahnte Möglichkeiten, gewerbliche Objekte zu Schnäppchenpreisen zu erwerben.

Bereits im Januar dieses Jahres hatte ich detailliert über die mögliche Entwicklung des gewerblichen Immobilienmarktes geschrieben. Meine Prognose hat sich bewahrheitet – wenn auch in noch drastischerer Form als vorhergesagt. Die rasant gestiegene Arbeitslosigkeit, eine höhere Sparquote, die Kreditklemme, Sparmassnahmen seitens Industrie und öffentlicher Hand haben den Konsum drastisch zurückgehen lassen.

Dem gegenüber steht ein enormes Überangebot an Gewerbeflächen: In den USA kommen auf 1.000 Einwohner statistisch gesehen 1.876 Quadratmeter. Ein Land wie Schweden – immerhin Spitzenreiter in Europa – bringt es im Vergleich dazu gerade auf 306 Quadratmeter, Grossbritannien auf 213  Quadratmeter und Deutschland gar nur auf 138 Quadratmeter. In den letzten Jahren wurden in Amerika in rasantem Tempo neue Gewerbeflächen erstellt – in der allgemeinen Annahme, das Wachstum werde ungebremst bis in alle Ewigkeit weitergehen. Besonders in Kalifornien, Nevada, Arizona und Florida wurde nach dem Motto gebaut: »You build and they will come« – zu Deutsch: »Wenn man baut, werden die Käufer und Mieter schon kommen.«

Doch der Schuss ging nach hinten los: Die Leerstandsquoten für Ladenflächen liegen heute landesweit bei über 10 Prozent, diejenige für Büros bei 16,5 Prozent. Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden landesweit 5,9 Millionen Quadratmeter Büroflächen frei. Dieser Trend wird anhalten, in einigen Regionen dürften wir eine Leerstandsquote von über 20 Prozent erreichen. Dem Gesetz von Angebot und Nachfrage folgend, reduzieren sich die Mieten entsprechend. Mit dem Ergebnis, dass Mieter von weniger attraktiven Lagen und Gebäuden in bessere Lagen wechseln – zu vergleichbaren Konditionen. Dies führt dazu, dass eine ganze Reihe von Immobilien schlicht nicht mehr vermietet werden kann. Wir sehen heute bereits, dass grosse Shoppingcenter in Lagerhäuser oder Freizeitanlagen umgewandelt oder vereinzelt sogar abgerissen werden. Da mit einem nachhaltigen Anziehen der Wirtschaft vorerst nicht zu rechnen ist, wird es lange dauern, ehe die bestehenden Flächen vermietet sind und neue Bauvorhaben wieder attraktiv werden.

Zahllose Gewerbeobjekte wurden bereits von den Banken übernommen. Bei vielen Gebäuden reichen angesichts tieferer Mieten und hoher Leerstände die Einnahmen nicht mehr aus, um die Schulden zu bedienen. Andere erfüllen die Belehnungskriterien nicht mehr. Dies wird einerseits dazu führen, dass auf die Banken Verluste in Höhe von mehreren Hundert Milliarden Dollar zukommen. Zum anderen werden sehr viele Objekte in die Zwangsversteigerung gehen.

Angesichts der geschilderten Entwicklung gibt es auf dem Immobilienmarkt fast keine »normalen« Verkäufe mehr. Wer nicht verkaufen muss, tut es in diesem Umfeld nicht. Bei fast allen Transaktionen »blutet« einer der Teilnehmer – sei es die Bank, der Eigentümer, eine Versicherung, eine Pensionskasse, die Hypotheken gewährt, oder Private Equity- und Hedge-Funds, die Mezzanine-Finanzierungen bereit gestellt haben. Viele Not leidende Immobilien sind für potentielle Investoren freilich uninteressant, da es sich um abgebrochene Projektentwicklungen, Bauland oder Immobilien handelt, um die es rechtliche Auseinandersetzungen gibt oder deren Bausubstanz kontaminiert ist und somit nicht mehr den aktuellen Umweltauflagen entspricht.

Investition mit Perspektive

Dennoch: Meiner Ansicht nach gibt es bereits heute (und wird es in den nächsten sechs bis achtzehn Monaten zunehmend) eine ganze Reihe von interessanten Objekten geben, bei denen es sich lohnt, einmal genauer hinzuschauen. Ich sehe drei Wege, von der jetzigen Lage auf dem Markt für gewerbliche Immobilien in den USA mittel- und langfristig zu profitieren:

1.)  durch den Kauf von Objekten, die bereits im Bestand der Banken sind;

2.)  durch den Kauf der entsprechenden Hypothek mit Abschlag;

3.)  durch die Kooperation mit dem Eigentümer bei einer Restrukturierung.

Ich denke, folgende Objekte sind in diesem Zusammenhang besonders interessant:

a.) Shopping-Center und Büros in guten bis sehr guten Lagen, die zumindest teilweise vermietet sind;

b.) gewerbliche Parzellen in ausgesuchten Toplagen;

c.) Eigentumswohnungen bzw. Appartementkomplexe, die im Paket oder mehrheitlich erworben werden können.

Amerikanische Investoren erwarten im jetzigen Umfeld in der Regel eine Rendite von 20 Prozent p.a. und möchten nach spätestens 18 bis 24 Monaten wieder aussteigen. Für Anleger mit einem derart kurzfristigen Horizont ist der Kauf einer halbvermieteten Immobilie nicht attraktiv. Europäische Käufer sind mit ihrer eher auf einen mittelfristigen Investitionserfolg ausgerichteten Erwartungshaltung hier aber möglicherweise in einer guten Position.

Wie? Finanzierungen sind im Moment von den Banken fast nicht erhältlich. Selbst wenn eine Bank grundsätzlich gewillt ist, einen Kredit zu gewähren, dauert das Genehmigungsverfahren meist viel zu lange. Somit muss der potentielle Käufer in der Lage sein, den Kaufpreis und alle damit zusammenhängenden Kosten in bar aufzubringen. Nach dem Kauf und/oder der Stabilisierung der Immobilie kann man sich dann in Ruhe nach einer möglichen Bankfinanzierung oder längerfristigen Hypothek umsehen.

Es ist daneben aber auch möglich, mit Banken Vereinbarungen zu treffen, wonach man ihnen etwa eine Immobilie abkauft und das Institut im Gegenzug zumindest einen Teil des Kaufpreises finanziert. Vorteil für die Bank: Sie ist eine zwangsersteigerte Immobilie los und hat eine Hypothek, die regelmässig bedient wird.

Viele Private-Equity-Funds und Hedge-Funds sowie private und institutionelle Investoren aus der ganzen Welt verhandeln derzeit mit den Banken über deren notleidende Immobilien- und Hypothekenportfolios. Hier geht es aber meist um Pakete von mehreren Hundert Millionen Dollar. Unser Fokus liegt hingegen bei Immobilien zwischen 2,5 und 25 Millionen Dollar. Diese Objekte sind für die oben erwähnten Investorengruppen zu klein, für sie lohnt sich weder die Prüfung noch die Etablierung einer lokalen Infrastruktur zur Verwaltung und Vermietung.

Konkret profitieren

Zwei aktuelle Beispiele aus Naples zeigen, dass sich auch unterhalb der erwähnten Milliarden-Pakete interessante Investitionschancen eröffnen. Beides sind Shopping-Center ohne Ankermieter. Das eine hat 45.000 Square Foot Grundfläche (ca. 4.180 Quadratmeter) und ist voll vermietet. Die Mieteinnahmen betragen derzeit rund 700.000 Dollar. Die Hypothek von 10,8 Millionen Dollar kann für etwa 6 Millionen Dollar erworben werden. Das andere Shopping-Center umfasst 115.000 Square Foot (rund 10.680 Quadratmeter) und weist einen Leerstand von zirka 30 Prozent auf. Die Nettoeinnahmen liegen bei 1 Million Dollar. Die Hypothek von 30 Millionen Dollar kann hier für 13 Millionen Dollar erworben werden.

Im Rahmen einer eingehenden Prüfung müsste man zunächst feststellen ob die Mieteinnahmen tatsächlich »real« sind, will sagen: bezahlen die Mieter wirklich? Und entsprechen die Mieten den gängigen Marktmieten? Liegen sie zu hoch, ist davon auszugehen, dass die Mieter spätestens bei Vertragsablauf ausziehen oder tiefere Mieten verlangen. Anschließend müsste eine gründliche »Due Dilligence« unzählige Aspekte beleuchten, deren Beschreibung den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. (erste Informationen können Sie meinem Artikel über den »Erwerb von gewerblichen Immobilien« entnehmen. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich in einem ausführlichen Folgeartikel noch einmal auf die Einzelheiten eingehen).

Nehmen wir einmal an, die oben aufgeführten Zahlen stimmen. Nun gibt es zwei Möglichkeiten:

1.)  Der Eigentümer der Immobilie zahlt die Zinsen auf die ursprünglichen Hypotheken weiter. Dies gibt dem Käufer eine Rendite über 10 Prozent. Bei einer Ablösung der Hypothek ergibt sich ein noch grösserer Gewinn.

2.)  Der Eigentümer kommt mit den Zinszahlungen in Verzug, der Käufer der Hypothek erwirbt die Immobilie über eine Zwangsversteigerung (oftmals übergibt der Eigentümer den Titel auch ohne Gerichtsverfahren). Nun hat der Käufer die Möglichkeit, durch Vermietung der Leerstände seine laufende Rendite zu erhöhen. Konsequenterweise steigt dabei auch der Wert der Immobilie.

In jedem Fall aber hat der Käufer der Hypothek die Sicherheit, die Mieten zu erhalten, da diese im Rahmen der Hypothek durch den Immobilieneigentümer abgetreten wurden.

Fazit: Um interessante Objekte zu finden, bedarf es guter Kontakte und eines grossen Zeitaufwands, denn zum einen erweisen sich die Verhandlungen mit den Banken oftmals als sehr mühsam und ziehen sich lange hin. Zum anderen muss die Prüfungen der Objekte sehr sorgfältig durchgeführt werden, da es praktisch keine Gewährleistung gibt. Auf die Angaben der Verkäufer sollte man sich in der momentanen Situation nämlich besser nicht verlassen.

Wird ein Objekt schließlich erworben, fällt in Folge sehr viel Arbeit an: Alle Akten und Dokumente müssen neu sortiert und fehlende beigebracht werden. Anschließend muss die Immobilie neu am Markt positioniert sowie die Verwaltung und Vermietung organisiert werden.

Eines aber ist klar: Im Gegenzug für diesen zum Teil erheblichen Aufwand locken ausgesprochen attraktive Renditen. Und gewiefte Anleger werden nicht erst in einigen Jahren realisiert haben, dass in der momentanen Krise durchaus große Chancen steckten.

Aktuelles aus Naples/SW Florida 08/09

Südwestflorida hat neben Stränden, Restaurants, Palmen und Golfanlagen auch kulturell und intellektuell einiges zu bieten. In diesem Artikel möchte ich einen Überblick über verschiedene Veranstalter von Vorlesungsreihen geben. Rund ein Dutzend Organisationen halten vornehmlich während der Wintersaison eine ganze Reihe von sehr interessanten Anlässen ab. Es gelingt immer wieder, Personen von internationalem Ruf als Redner zu gewinnen. Die Honorare können fünf- bis sechsstellige Summen ausmachen. Oftmals fließen die Nettoerlöse Wohltätigkeitsorganisationen zu. Für Top-Sponsoren gibt es dann natürlich vor dem Anlass noch einen privaten Cocktailempfang mit dem Redner. Die Anlässe finden meistens in den Ballsälen der großen Hotels wie Ritz Carlton und Naples Grande statt – manchmal verbunden mit einem mehrgängigen Menü.

Die meisten der Organisationen verlangen eine Mitgliedschaftsgebühr, die bei ein paar Hundert Dollar anfängt und bis in die Tausende gehen kann. Die Mitgliedschaftsgebühren decken die Honorare der Redner, deren Reise- und Unterbringungskosten sowie Catering, Marketing und Raumkosten. Vereinzelt werden für die Veranstaltungen auch separate Eintrittsgebühren erhoben.

Nachfolgend die wichtigsten Organisationen mit kurzer Beschreibung und Kontaktinformation:

Naples Town Hall Distinguished Speakers (www.thlectures.com)

Gründer: Rick und Lori Borman

Telefon (239) 596-6524

Mitglieder: 1.200

Bisherige Redner: Ehemaliger U.S. Präsident Gerald R. Ford, Henry Kissinger, Journalistin Barbara Walters, pakistanische Premierministerin Benazir Bhutto, ehemaliger Bürgermeister von New York City Rudy Giuliani

Redner 2009: Schauspielerin Mia Farrow, Abgeordneter Newt Gingrich, Prinz Talal of Jordan, Autor P.J. O’Rourke.

Auf Wunschliste stehen: Condolezza Rice und der pakistanische Präsident Pervez Musharraf

Speakers Assembly of Southwest Florida (www.speakersassembly.com)

Direktor: Audrey Georges

Telefon (239) 948-7909

Bisherige Redner: David Broder, Kevin Kallaugher, Ralph S. Larsen, Admiral James G. Stavridis, Gen. Charles C. Krulak, William Seidman

Redner  2009: Michael Tobin, Maj. Gen. Paul E. Valley, Robert O’Harrow, David Owen

Legacy Speakers Series (www.uncommonfriends.org)

Gegründet November 2008 von der gemeinnützigen Organisation »Uncommon Friends Foundation«

Vorsitzender: Tom Hoolihan

Telefon (239) 337-9505

Bisherige Redner: NBC Moderator Tom Brokaw

Redner 2009: John Sheppard

Auf Wunschliste stehen: Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins

Shell Point Speaker Series (www.shellpoint.org)

Telefon (239) 454-2067

Bisherige Redner: Dr. Stephen Post (Case Western Reserve University)

Redner 2009: TV-Journalist Dr. Kent Moors (FOX News), Chris Wallace und Fotograf Barrie Schwortz

Conservancy of Southwest Florida Speaker Series (www.conservancy.org)

Telefon (239) 262-0304

Bisherige Redner: Troy Frensley, Conservancy Naturalist

Redner 2009: Dr. Jerry Jackson, David Shindle, Janina Birtolo

Quest Speaker Series (www.questspeakers.org)

Telefon (239) 643-3573

Bisherige Redner: Ambassador L. Paul Bremer, Ben Stein, Dick Morris, Neil Boortz, John Stossel, The Honorable Thomas J. Ridge, Peggy Noonan, Karl Rove

Redner 2009: Stuart Varney, Gen. Tommy Franks, Charles Krauthammer

The Forum at BIG Arts’ Distinguished Scholars Lecture Series (www.bigarts.org)

Telefon (239) 395-0900

Bisherige Redner: Dr. Akbar Ahmed, Botschafter Dennis Ross, Gwen Ilfill

Redner 2009: Dr. Richard Klauser, Dr. Gene Cohen, Dr. Paul Davies

Business und Wirtschaft USA 08/09

Steuerliche Aspekte beim Erwerb von Ferienimmobilien in Florida

Vorwort

Dieser Artikel soll einen Überblick über die steuerlichen Aspekte des Eigentums und Erwerbs von Ferienimmobilien in Florida geben. Es ist nicht meine Absicht, in irgendeiner Art und Weise beratend tätig zu sein, sondern es sollen allgemeine Informationen vermittelt werden. Insbesondere in steuerlichen und rechtlichen Fragen sind für jeden einzelnen Fall, entsprechende Fachleute zu konsultieren. Es ist mein Bestreben, auf mögliche Probleme aufmerksam zu machen, nicht jedoch Lösungen anzubieten. Die aufgeführten Tipps und Empfehlungen sind als Anregungen zu verstehen, die nicht unbedingt Allgemeingültigkeit haben. Sie sollten auf jeden Fall mit einem Anwalt / Steuerberater besprochen werden. Gern bin ich bereit, Ihnen Namen und Adressen von qualifizierten Fachleuten zu nennen.

Einleitung

Sie sind der glückliche Eigentümer einer Ferienwohnung/-hauses oder tragen sich ernsthaft mit dem Gedanken, ein solches Objekt zu erwerben. Das herrliche Wetter, der schöne Sandstrand mit Palmen, die freundlichen Leute und die Urlaubsstimmung geben nicht die geringste Veranlassung, an so unangenehme Dinge wie Steuern zu denken. Doch aufgepasst: auch in unserem kleinen Stück Paradies gibt es Steuern.

Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich ausschließlich auf nicht ansässige Ausländer (»natürliche Personen«), die in den USA nur ein Ferienobjekt besitzen und keine anderen US-Einkünfte haben. Werden andere Einkünfte in den USA erzielt oder weitere Immobilien gehalten, so können sich in der Besteuerung Änderungen ergeben bzw. andere Gesichtspunkte eine Rolle spielen. Für ansässige Ausländer, ausländische juristische Personen und US-Bürger gelten zum Teil andere gesetzliche Bestimmungen.

Nach internationalem Steuerrecht werden Immobilien am Ort des Objektes besteuert. Somit steht den USA grundsätzlich das Besteuerungsrecht an US-Immobilien zu. Ergänzend zum amerikanischen Steuerrecht kommen die Bestimmungen der verschiedenen Doppelbesteuerungsabkommen“ USA/BRD, USA/CH und USA/A zur Anwendung. Die USA erheben Steuern auf drei Ebenen: Die Bundessteuer (»Federal Tax«) wird überall in den USA erhoben. Die einzelnen Bundesstaaten können zusätzlich Steuern wie Einkommens-, Erbschafts-, Vermögens- und Verkaufssteuern erheben. Die Landkreise und Städte erheben Grundsteuern und Kurtaxen.

Hier geht es weiter zum kompletten Artikel (PDF)

Aktuelles aus Naples/SW Florida 07/09

Zwei verrückte Hühner führen eines der besten Restaurants in Naples

Dieses Mal möchte ich Ihnen eines meiner Lieblingsrestaurants in Naples vorstellen: »IM Tapas«. Ganz versteckt hinter einer unscheinbaren Glasfassade zwischen einem Geschäft für Hundeartikel und irgendeinem anderen Laden verbirgt sich dieser Geheimtipp. IM Tapas ist ein kleines Bistro mit europäischem Flair und exzellentem spanischem Essen. In der Saison stehen mehr als 40 Tapas auf der Speisekarte. Die beiden Eigentümer/Köche/Maitre D’/Entertainer Isabella Pozo Polo und Mary Shipman sind schon allein ein Grund für einen Besuch. Isabella ist ein verrücktes Huhn: Sie wurde auf Kuba geboren, wuchs in Spanien auf, hat eine zeitlang in Harvard studiert, sechs Monate in Deutschland gelebt, einen Film als Beitrag für die Berliner Filmfestspiele gedreht, dann jahrelang Regie bei Hip-Hop und anderen Musikvideos in New York geführt, bevor sie sich mit ihrer Partnerin Mary entschloss, dieses tolle Restaurant zu eröffnen. Mit unermüdlicher Energie kocht sie, redet mit den Gästen, macht dem Keller Chris (der übrigens in Paris am »Institute Cordon Bleu« Koch gelernt hat) Beine und serviert Speisen. Mary ist der ruhende Pol. Auch sie steht in der Küche und/oder kümmert sich um die Gäste. Meine Lieblingstapas: Linsensalat mit spanischer Wurst, Rote Beete mit Ziegenkäse, mit Manchego-Käse und Seranoschinken gefüllte Artichocken, rassig gewürzter Tintenfischsalat über Bratkartoffeln. Und bei den Hauptspeisen gibt es verschiedene tolle Fischgerichte.

IM Tapas, 965 4th Ave. N. (zwischen US 41 N. und 10th Street, gegenüber vom Krankenhaus, hinter der Dairy Queen), Naples, FL 34102, Telefon (239) 403 8272, email: imtapas@aol.com

Im Sommer geöffnet für Abendessen Dienstag bis Samstag. Tun Sie mir einen Gefallen und sagen Sie, dass ich Sie geschickt habe …

Rote Beete

Rote Beete mit Ziegenkäse

Paella

Paella mit Lobster und Meeresfrüchten

Isabella

Endlich: »Gelato d’Italia« in Naples!

Ganz heimlich und versteckt haben Marco und Tecla Filardo ihre »Freddo Gelateria« in Naples eröffnet. Das junge Paar lernte sich in Boston kennen und ist seit fünf Jahren verheiratet. Beide sind italienischer Abstammung und sprechen auch fließend Italienisch. Eigentlich war ihre Absicht, eine Produktionsstätte für Gelato einzurichten und die lokalen Restaurants zu beliefern, doch irgendwie wurde daraus eine unkonventionelle Eisdiele mit Publikumsverkehr. Täglich frisch produziert Marco über 20 Sorten köstlichen Gelatos, während die charmante Tecla die Kunden berät. Meine Favoriten: Chocolate Chip, Chocolate Hazelnut, Pistachio, Tiramisu, Coconut. Auf den bunten Holzsesseln kann man nach dem Strandbesuch oder dem Abendessen so richtig gemütlich »abhängen« und das Eis genießen. Es gibt auch »Take-out« – und meine Gäste konnten bei einem Abendessen in meinem Haus neulich nicht genug bekommen von diesen Köstlichkeiten. Ich hätte diesen Geheimtipp übrigens kaum selbst gefunden, wenn mich meine Freunde Bettina Scherf und Carsten Sturm von Euro-American Aviation (www.eaa-fly.com) nicht auf »Freddo Gelateria« aufmerksam gemacht hätten – wir Europäer wissen halt, unser »Gelato d’Italia« zu schätzen.

Sagen Sie, dass ich Sie geschickt haben, dann dürfen Sie mehrere Gelati probieren, bevor Sie sich entscheiden.

Freddo Gelateria, 995 5th Ave. Parkway, Naples, FL 34102, Telefon (239) 234 6770, www.freddogelateria.com

Freddo 1

Die sympatischen Eigentümer Tecla und Marco

Freddo 2

Eine kleine Auswahl der mehr als 20 verschiedenen Gelatosorten

Photos: Naples Daily News/Kelli Stanko

Map

Wegbeschreibung:

Aus dem Osten kommend: Rechts auf die 10th Street South abbiegen und dann sofort links auf den 5th Avenue Parkway abbiegen. Freddo Gelateria ist auf der rechten Seite.

Aus dem Norden kommend. Links auf die US 41 East abbiegen, dann links auf die 10th Street South abbiegen und gleich wieder links auf den 5th Avenue South Parkwax abbiegen. Freddo Gelateria ist auf der rechten Seite.

Kulinarische Abgänge

Die folgenden Restaurants haben in den letzten Monaten ihre Tore geschlossen:

Mr. G’s Italian Ristorante & Bar (ehemals Old Heidelberg, US 41 N. / Naples Park), Pewter Mug (US 41 N.), Mile High Burger (Sunshine Plaza, Bonita Springs), Tropical Reef (US 41 N. gegenüber von Pelican Bay), Bianchi (Bayfront), Shark’s Tavern (Pine Ridge Road), Tre Fratelli (Pine Ridge Road), Trilogy (5th Ave. South), Ruth Chris (Coastland Mall), Blu Sushi (3rd Street Plaza), Cheeburger Cheeburger (Airport Road), Bennigans (Promenade, Bonita Springs), Corks (5th Ave. South), Fitzgerald (US 41 East), Frascati’s (Airport Road), Meson Ole (US 41 N.).

Würdig des Kredits?

Ein für uns Europäer eher ungewöhnliches Konzept ist das der Kreditvergangenheit (»Credit History«). Der Beweis einer guten Zahlungsmoral bei der Bedienung der eigenen Schulden ist notwendig, um in den USA einen Kredit aufnehmen zu können – dann zum Beispiel, wenn man ein Haus oder Auto kaufen möchte.

Die Credit History setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: dem »Credit Report« und dem »Credit Score«.

Der Credit Report beinhaltet folgende Elemente:

  • Information zur Person;
  • Kreditvergangenheit, inklusive Kreditkarten, Kontostände, verfügbare Kreditrahmen, laufende und abbezahlte Kredite sowie Information über das Bezahlen von Rechnungen;
  • Daten zu Konkurs, Pfändungen, Gerichtsurteilen;
  • Liste von Firmen, die Ihren Credit Report erhalten haben;
  • Erklärungen zu Fehlern im Credit Report, die Sie in der Vergangenheit beanstandet haben.

Es gibt drei große Credit Bureaus, die Informationen sammeln, aus denen sich die Kreditvergangenheit zusammensetzt. Es ist allerdings notwendig, eine US Social Security Number (Sozialversicherungsnummer) zu haben. Jeder Bürger hat das gesetzlich verankerte Recht, einmal im Jahr seinen Credit Report kostenlos anzufordern. Einzelheiten dazu finden sie unter der Internetadresse www.annualcreditreport.com

Dies sollte auch gemacht werden, um eventuelle Fehler in der Kreditvergangenheit möglichst schnell zu beheben. Sollten Sie Fehler finden, können Sie diese anfechten. Kann der Fehler nachgewiesen werden, wird die entsprechende Information entfernt.

Tipp: Schriftverkehr stets per Einschreiben mit Empfangsbestätigung verschicken und sowohl das Credit Bureau als auch den Verursacher (Kreditgeber) über die fehlerhafte Information benachrichtigen.

Die drei Credit Bureaus arbeiten unabhängig voneinander und es kann sein, dass es Unterschiede in den verschiedenen Credit Reports für dieselbe Person gibt.

Credit Bureaus:

Equifax (www.equifax.com) 1-800-685-1111 P.O. Box 740241

Atlanta, GA 30374-0241

Experian (www.experian.com) 1-888-397-3742 P.O. Box 2104

Allen, TX 75013

TransUnion (www.transunion.com) 1-800-916-8800 P.O.Box 1000

Chester, PA 19022

Der Credit Score (FICO Score) wird zur Berechnung der Kreditwürdigkeit verwendet. Die Skala reicht von 400 bis 800 Punkten, wobei 700 und darüber als sehr gut angesehen wird.

Als Berechnungsgrundlage werden fünf Kategorien verwendet. Die Gewichtung dieser Kategorien ist in Klammern jeweils dargestellt:

  • Zahlungsvergangenheit (35 Prozent)
  • Schuldenlast (30 Prozent)
  • Länge der Kreditvergangenheit (15 Prozent)
  • Neue Kredite (10 Prozent)
  • Art von Krediten (10 Prozent)

Credit Scores werden von Kreditgebern verwendet, um das Risiko des Kreditnehmers zu bestimmen. Die Entwicklungen auf den Finanzmärkten und der Zusammenbruch des Immobilienmarktes haben dazu geführt, dass man heute als Schuldner höhere »Ratings« benötigt. Konnte man früher mit 680 Punkten schon die besten Konditionen für eine konventionelle Hypothek (= FHA versichert) erhalten, so sind heute 720 Punkte notwendig. Je tiefer die Punktezahl, desto höher der zu bezahlende Zinssatz.

Bei der Berechnung wird auch berücksichtigt, welche Limiten man insgesamt zur Verfügung hat (auch wenn diese nicht genutzt werden). Die Anzahl der Anfragen bei den Instituten kann auch zu einer Reduktion der Punkte führen. Die (potentiellen) Gläubiger werden nervös, da sie annehmen, dass der Schuldner seine Verbindlichkeiten drastisch erhöhen will.

Tipps für gute Credit Report und Credit Score:

  • Wenigstens die Mindestsumme der monatlichen Kreditkartenrechnungen rechtzeitig bezahlen;
  • Nicht zu viele Kredite und Kreditkarten in kurzem Zeitraum beantragen;
  • Vermeiden Sie, den Kreditrahmen aller Karten voll auszunutzen (ideal sind Schulden, die unter einem Drittel des verfügbaren Kreditrahmens liegen).

Eine schlechte Kreditvergangenheit ist von Nachteil, wenn man einen neuen Kredit beantragen will. Noch schlimmer jedoch ist es, keine Kreditvergangenheit nachweisen zu können.

Tipps, um Ihre Kreditvergangenheit aufzubauen:

  • Beantragen Sie eine Kreditkarte. Am einfachsten bekommen Sie eine »Secured Credit Card« von Ihrer Bank, wenn Sie Sicherheiten (zum Beispiel Festgeld, Wertpapiere etc.) hinterlegen. Haben Sie einmal Ihre Kreditvergangenheit etabliert, werden Sie regelmäßig Kreditkartenangebote in der Post erhalten. Zunächst werden der Kreditrahmen gering und die Zinsen hoch sein. Es empfiehlt sich jedoch, einige dieser Karten zu beantragen und diese diszipliniert zu benutzen, um weitere Kreditwürdigkeit zu beweisen;
  • Viele Kaufhäuser bieten interne »Store Credit Cards« an, machen Sie davon Gebrauch;
  • Bezahlen Sie alle Rechnungen und Kreditkarten pünktlich.

Zuletzt noch eine Anmerkung: Eine »Debit Card« (auch »Check Card« genannt) trägt oftmals ein Visa- oder Mastercard-Symbol, zählt jedoch nicht als Kreditkarte (und hilft dementsprechend nicht beim Aufbau der eigenen Kreditvergangenheit), da das Geld direkt vom Konto abgebucht wird.

Dies und Das 07/09

Jeder Vierte Autofahrer in den USA sendet SMS beim Fahren

Dass Autofahrer(innen) sich beim Fahren schminken, telefonieren oder die Hamburger und Pommes Frites verdrücken, daran habe ich mich ja schon lange gewöhnt. Was aber immer mehr irritiert, sind die Autofahrer(innen), die beim Fahren SMS versenden oder lesen. Wie oft habe ich schon an einer Ampel gestanden und das Auto vor mir bewegte sich bei Grün nicht, weil der Fahrer(in) gebannt auf das Handy starrte. Gefährlich nahe kamen mir schon einige Male Autos, als deren Fahrer(innen) SMS eintippten und nicht auf den Verkehr achtend in meine Spur kamen. Ungeachtet der Behauptung vieler weiblicher Mitbürger, bin ich der Meinung, dass „Multitasking“ doch gewisse Limitierungen hat.

Bei einer kürzlichen Umfrage hat jeder vierte Autofahrer zugegeben während dem Fahren, SMS zu senden und/oder zu lesen. Die Fahrer in Tennessee sind mit 42 % die „Schlimmsten“, gefolgt von Alabama, Idaho und Oklahoma. Grosse Unterschiede zeigen sich in den Altersgruppen: 60 % der Gruppe 16 bis 19 Jahre, 50 % der Gruppe 20 bis 29 Jahre und 13 % der über 50-Jährigen.

Einzelne Bundesstaaten und Landkreise verbieten das Texten während des Fahrens. Auch bezüglich Nutzung von Handys gibt es ganz unterschiedliche Bestimmungen. In Florida gibt es derzeit keine Verbote, doch sind entsprechende Gesetze in der Bearbeitung.

Keine Entspannung bei den Zwangsversteigerungen in SW Florida in Sicht

Für das erste Halbjahr 2009 hält die Region Ft. Myers/Cape Coral den ehrenvollen zweiten Platz in den USA. 25,926 Maßnahmen (gegenüber 20,567 im gleichen Zeitraum des Vorjahres) im Rahmen des Zwangsversteigerungsprozess wurden eingeleitet (weitere Info hierzu in meinem Artikel „Zwangsversteigerungen: Was man wissen sollte”) Das heisst: JEDER 14. HAUSHALT IST BETROFFEN!!!!! Nicht alle Massnahmen führen zu einer Zwangsversteigerung. 56 % aller in Lee County verkauften Einfamilienhäuser waren Zwangsversteigerungen. Weitere 15.5 % sogenannte „Short Sales” (d.h. der Verkäufer schuldete der Bank mehr als den angesagten und/oder erzielten Verkaufspreis).

In Naples/Marco Island (Rank 12 in den USA) wurden mit 6,990 Massnahmen in den ersten 6 Monaten 57 % mehr als im Vorjahr eingeleitet. Jeder 27. Haushalt ist betroffen.

Gesamthaft wurden in den USA 1.9 Millionen Schritte in Zwangsversteigerungsverfahren eingeleitet, was jeden 84. Haushalt betrifft. Dies sind 18 % mehr als im ersten Halbjahr 2008. Die steigende Tendenz ist auf die weiterhin fallenden Immobilienpreise, die steigenden Arbeitslosenzahlen, die Unfähigkeit der Banken schnell genug Anpassungen der Darlehensbedingungen vorzunehmen und der anhaltend schlechten Wirtschaft zurückzuführen.

Wussten Sie, dass…

„Babe Ruth“ (George Hermann), der beste Baseballspieler aller Zeiten, unzählige Rekorde aufgesellte und für die New York Yankees spielte, Sohn deutscher Einwanderer war.

Thomas Nast, der 1840 in Landau (Pfalz) geboren wurde, der größte politische Karikaturist Amerikas war und ebenso das Aussehen von Sankt Nikolaus oder Santa Claus bestimmt hat. Seine Karikaturen in dem amerikanischen Magazin Harper’s Weekly von einem fröhlichen alten Mann mit weissem Bart basierten auf dem Schelmischen Belzenickel seines Geburtsortes.

Senator Rudy Boschwitz, Republikaner aus Minnesota, der seit 30 Jahren einen Sitz im US-Senat hat, 1930 in Berlin geboren wurde.

In Deutschland etwa 6 Millionen Schüler auf weiterführenden Schulen Englisch als Fremdsprache lernen, während nur etwa 375,000 amerikanische Schüler Deutsch lernen.

Das Schloss Neuschwanstein Walt Disneys Inspiration beim Entwurf des Cinderella Castle in Disney World war.

Die weltbekannten Steinway Pianos ihren Ursprung in Seesen haben. Heinrich Engelhardt Steinweg, der sich nach seiner Auswanderung in die USA im Jahre 1851 Steinway nannte, gründete gemeinsam mit seinen vier Söhnen die Firma “Steinway & Sons“ in New York.

Die Englisch Lektion

In der deutschen Sprache gibt es sogenannte Pseudo-Anglizismen. Dies sind englische Begriffe, die es entweder im Englischen gar nicht gibt oder in anderen Zusammenhängen verwendet werden. Im folgenden einige Beispiele:

City hat im Deutschen die Bedeutung Stadtmitte/Innenstadt. Im englischen bedeutet dies lediglich Stadt. Das Zentrum wird als City Center oder Downtown bezeichnet.

Der Bergriff Shooting Star wird verwendet, wenn man von jemandem spricht, der im Kommen ist und an Popularität gewinnt. Im Englischen hingegen bedeutet dies lediglich Sternschnuppe.

Ein Tramper, in Deutschland auch als Anhalter bekannt, gibt es im Englischen nicht. Hier spricht man von einem hitchhiker.

Mobbing, was Psychoterror am Arbeitsplatz beschreibt, bedeutet im Englischen bedrängen, über etwas herfallen, angreifen. Amerikaner sprechen von harrassment at the workplace.

Ein Whirlpool ist im Englischen ein Strudel. Der korrekte Begriff für die deutsche Bedeutung von Whirlpool ist hot tub.

Ein Barkeeper ist in Deutschland ein Gast-/Schankwirt oder Barmann. Der korrekte englische Begriff hierfür ist jedoch Bartender.

Ein Wellness Hotel oder eine Beauty Farm gibt es im Englischen nicht. Dies bezeichnet man als einen Spa.

Zahlenspielereien

In der Wirtschafts- und Finanzkrise geht es neben der Psychologie – die laut Wirtschaftswunder-Kanzler Ludwig Erhard ja bekanntlich mindestens die Hälfte der Ökonomie ausmacht – vor allem um eines: nackte Zahlen. Und da schwirren momentan in der Tat gewaltige Beträge durch den Raum. Im folgenden habe ich einmal einige interessante Zahlen herausgegriffen, die mir in den vergangenen Wochen über den Weg gelaufen sind – und die alle zusammen genommen ein durchaus gutes Erklärungsraster zum Verständnis dieser Krise bieten.

INVESTIONSGELEGENHEIT –––Das Positive zum Anfang: Jede Krise birgt auch ihre Chancen. So bietet die amerikanische Regierung derzeit eine tolle Anlagemöglichkeit: Sie beteiligen sich an einem Investment mit fünf bis zehn Prozent Eigenkapital. Die Differenz von 90 bis 95 Prozent stellt Ihnen »Uncle Sam« als Darlehen zum Zinssatz drei Jahr Libor (derzeit 2,85 Prozent) zur Verfügung. Die Krönung: Sie sind für dieses Darlehen nicht einmal persönlich haftbar. Alle Verluste, die ihr Eigenkapital übersteigen, werden von der US-Regierung beziehungsweise dem amerikanischen Steuerzahler übernommen.

Im Rahmen des TALF (»Term Asset-Backed Security Loan Facility«) bietet die US-Regierung solche Investitionsmöglichkeiten an. Es ist ein 200-Milliarden-Dollar schweres Programm, in dessen Rahmen Rentenpapiere ausgegeben werden, die durch Autofinanzierungen, Studentendarlehen oder Kreditkartenguthaben und demnächst durch Hypotheken auf gewerblichen Objekten abgesichert sind. So funktioniert es:
Investoren, die an diesem Programm teilnehmen möchten, müssen vom US-Finanzamt akzeptiert werden. Dann wird ein Konto bei einem Wertschriftenhändler (»broker-dealer«) eingerichtet. Der Mindestdarlehensbetrag liegt bei 10 Millionen Dollar, das heißt mit 500.000 bis 1 Million Dollar Eigenkapital kann man partizipieren. Der Investor kauft nun 20 Millionen Dollar Rentenpapiere, leiht sich 19 Millionen Dollar zu 2,85 Prozent und bringt 1 Million Dollar Eigenkapital ein. Je nach Erwartungen und Berechnungen dürften die jährlichen Erträge zwischen 11 und 15 Prozent = 2,2 bis 3 Millionen Dollar liegen. Nach Abzug von +/- 550.000 Dollar Zinsen verbleiben dann noch 1,65 bis 2,45 Millionen Dollar Nettoertrag pro Jahr auf einem Investment von 1 Million Dollar. Sollten die als Sicherheit dienenden Vermögenswerte mehr als fünf Prozent an Wert verlieren, so hat der Investor keine Einschusspflicht und auch keine persönliche Haftung für den Darlehensbetrag. Es kommt noch schöner: Der Investor partizipiert an allen Rückzahlungen im gleichen Rang wie das Finanzministerium.

UNTERFINANZIERUNG ––– Die Regierung Obama hat das Budget für das Fiskaljahr 2010 vorgelegt – mit einem Defizit von 1,8 Billionen Dollar. Unvorstellbar viel Geld, aber schauen wir einmal hinter die Kulissen:
Ab dem Jahre 2016 muss die staatliche Rentenversicherung »Social Security« zum Teil aus dem allgemeinen Staatshaushalt finanziert werden. Die meisten Amerikaner glauben, dass irgendwo ein Treuhandvermögen (»Trust Fund«) in Höhe von 2,4 Billionen Dollar liegt und Erträge erwirtschaftet. Dem ist aber nicht so. In der Bilanz des Finanzministeriums (»Department of The Treasury«) gibt es eine Position »Social Security Trust Fund«, dieser ist aber zu 100 Prozent in US-Bundesschatzbriefen angelegt – Forderungen gegenüber dem Staat also. Auf Seite 345 des Budgets für das Finanzjahr 2010 wird festgehalten: »Die Guthaben werden durch Verbindlichkeiten des Finanzamtes aufgehoben und resultieren in einem Netto von Null«. Auf Seiten 63 und 64 eines gerade veröffentlichen Berichtes der Social-Securtiy-Administration wird ausgeführt, dass die Behörde den Betrag von 17,5 Billionen Dollar in echten Vermögenswerten benötigt, um alle versprochenen Leistungen erfüllen zu können. Oder anders gesagt: Die nicht gedeckten Verpflichtungen entsprechen 1,3 Prozent des amerikanischen Bruttosozialproduktes jetzt und in der Zukunft.
Noch schlimmer sieht es bei der »Medicare« aus. Dies ist die öffentliche Krankenversicherung der USA für ältere und/oder behinderte Mitbürger. Jeder Bürger ab dem 65. Lebensjahr oder jeder als behindert eingestufte Bürger kann Medicare in Anspruch nehmen. Medicare ist zum Teil steuer- und zum Teil beitragsfinanziert. Der nicht gedeckte Betrag liegt bei 88 Billionen Dollar (davon allein 15,5 Billionen Dollar aus dem umstrittenen »Part D«, den George W. Bush und der republikanische Kongress im Jahre 2003 durchgesetzt haben). Diese gewaltige Summe entspricht jetzt und in Zukunft 6,8 Prozent des US-Bruttosozialproduktes oder einer Erhöhung der Lohnabzüge um 15,7 Prozent.
Um es zusammenfassend etwas einfacher auszudrücken: Den älteren Bürgern der USA wurden Leistungen in Höhe von 106,4 Billionen Dollar versprochen. Gemäß der US-Zentralbank beträgt das gesamte Privatvermögen in den USA aber nur 51,5 Billionen Dollar. Natürlich kann die Regierung zukünftig Leistungen kürzen, um die Zahlen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und um massive Steuererhöhungen zu vermeiden. Doch das ist schwierig, steigt die Zahl der älteren Menschen doch ständig an (und bilden zudem die aktivste Wählergruppe). Nichtsdestrotz: Meiner Ansicht nach wird es früher oder später zu erheblichen Leistungskürzungen und deutlichen Steuererhöhungen kommen.

KREATIVE BUCHFÜHRUNG ––– Vor kurzem haben einige der großen US-Banken ihre Quartalszahlen veröffentlicht und ansehnliche Gewinne gezeigt. Bei genauem Hinsehen sind mir spontan allerdings zwei englische Ausdrücke eingefallen: »Cook the books« und »Creative accounting«. Die Banken müssen ihre Vermögenswerten nämlich nicht mehr zu Tiefstkursen (»mark to market«) bewerten, sondern können andere Methoden anwenden. Wie schon zu Zeiten der Kreditkrise in Südamerika erlaubt die US-Regierung den Banken, ihre Verluste nur sukzessive zu zeigen beziehungsweise mit zukünftigen Gewinnen zu »vertuschen«. Bank of America etwa hat einen Gewinn von 4,2 Milliarden Dollar ausgewiesen. Das hört sich beeindruckend an, ist es aber nicht. So hat BoA die Rückstellungen für faule Kredite zwar verdoppelt. Aber die Darlehen, bei denen die Schuldner mit Zahlungen im Rückstand sind, haben sich parallel dazu verdreifacht. Betrugen die Rückstellungen im letzten Jahr 203 Prozent der faulen Positionen, so sind es jetzt nur noch 121 Prozent. JP Morgan ist finanziell gesünder und hat Rückstellungen von 241 Prozent – aber auch das sind weniger als die 271 Prozent des letzten Jahres. Citibank zeigte einen Verlust von 1,6 Milliarden Dollar, obwohl die Rückstellungen von 177 auf 121 Prozent gesenkt wurden.
Die Kurse der Rentenpapiere einzelner Banken sind gesunken. Diese haben dann die Differenzen als Ertrag ausgewiesen – eigentlich könnten sie jetzt ihre eigenen Verbindlichkeiten unter pari zurückkaufen……

• STRESSTEST ––– Die US Regierung hat 19 Banken und Finanzinstitute einem so genannten Stresstest unterzogen. Meiner Ansicht waren diese Tests allerdings nicht sehr stressvoll und die angewandten Maßstäbe mehr als großzügig. So wurde zum Beispiel für den schlimmsten Fall (»worst case scenario«) eine Arbeitslosenquote von 9,5 Prozent angenommen. Derzeit liegt sie aber landesweit bereits bei 8,9 Prozent und wird sehr bald 10 Prozent übersteigen. Das Verhältnis Eigenkapital zu Fremdkapital wurde mit 1: 25 angenommen. Das ist deutlich höher als das Verhältnis 1: 12, welches die SEC bis 2004 von den Banken forderte. Die Aufhebung dieser Bestimmung war einer der Gründe der heutigen Finanzkrise. Bei den Finanzierungen von gewerblichen Objekten wurde eine Ausfallquote von 8,5 Prozent angenommen. Dies dürfte zu tief sein, da wir erst am Anfang des Zusammenbruchs im Markt für Gewerbeobjekte stehen.
Es wurde den Banken überlassen, die Risiken einzelner Positionen zu bestimmen. Diese haben dann in Verhandlungen den Betrag der neu zu schaffenden Eigenmittel drastisch reduziert: Bank of America von 50 Milliarden auf 33,9 Milliarden Dollar, Citigroup von 35 Milliarden auf 5,5 Milliarden Dollar, Wells Fargo von 17,3 Milliarden auf 13,7 Milliarden Dollar. Gemäß Expertenmeinung hätte als Basis eine andere Berechnung des Eigenkapitals angewendet werden sollen (und müssen). Dann wären nämlich auch unrealisierte Verluste berücksichtigt worden – und der Fehlbetrag in Folge um weitere 68 Milliarden Dollar erhöht werden müssen.

Ende der »Upgrade«-Kultur

Treffe ich in Naples auf einer Party einen mir unbekannten Gast, wird dieser mir häufig zwei Fragen stellen: Wo ich herkomme (niemand kommt wirklich von hierher) und wo ich wohne. Die erste Frage verstehe ich noch, identifizierte ich mich durch meinen Akzent schließlich gleich als »Foreigner«. Aber die zweite? Wieso will jemand wissen, wo ich wohne? Die Antwort ist einfach: Wäre ich Amerikaner, würde meine Adresse einen guten Anhaltspunkt hinsichtlich meiner finanziellen Verhältnisse geben. Denn ein »Upgrade« der Behausung im Zuge des beruflichen (und finanziellen) Aufstiegs ist seit jeher fester Bestandteil der amerikanischen Kultur: Wer hat, der hat – und will es auch zeigen …

Seit Jahrzehnten sind Amerikaner Weltmeister im Konsumieren. Vielfach geht es dabei nicht einmal darum, etwas Neues zu erwerben. Es geht um ein »Upgrade«: Wird ein Fernseher gekauft, dann meistens nicht, weil man keinen hat (ein durchschnittlicher US-Haushalt zählt 2,55 Personen und 2,73 Fernseher), sondern weil man einen Flachbildschirm, einen größeren Apparat oder einen mit Funktionen haben will, die sich vielversprechend anhören. In den letzten 30 Jahren war es in den USA dabei relativ einfach, über seine Verhältnisse zu leben –sei dies durch die Ausnutzung der Kreditkarte, durch ein Darlehen, dass man sich eigentlich nicht leisten konnte, oder »dank« großzügiger Finanzierungsangebote seitens der Händler.

Das Prinzip lief wie geschmiert: Wurde man befördert, wurde umgehend ein neues Auto sowie eine teurere, größere Bleibe gesucht. Oftmals kam auch noch eine jüngere Ehefrau hinzu. Durch Haus, Auto und »trophy wife« wurde gezeigt, dass man(n) es geschafft hatte: »I made it!«. Da aber fast alles finanziert war, erhöhten sich Verschuldung und monatliche Belastung entsprechend. Reduzierte sich das Einkommen, war das finanzielle Desaster vorprogrammiert.

Ein guter Teil des Marketings vieler Firmen basierte gleichwohl auf diesem Prinzip. Das klassische Beispiel: Die American-Express-Karte von Grün über Gold und Platin bis hin zu Schwarz zu immer höheren Jahresbeiträgen. Die Funktion bleibt unverändert, doch der »Upgrade« kommt mit dem Versprechen eines erheblichen Prestige-Gewinns daher – als Besitzer von »Platin« und »Schwarz« kann man seiner Umgebung halt deutlich signalisieren, auf welchem Einkommenslevel man sich befindet.

Ganz nebenbei: Die »Upgrade«-Kultur betrifft durchaus auch den sozialen Umgang miteinander – und nervt mich persönlich immer ganz besonders. Will man hier nämlich Pläne – vor allem mit jüngeren Amerikanern – machen, dauert es in der Regel lange, bis jemand definitiv zusagt. Warum? Weil er oder sie abwartet, ob sich nicht noch eine bessere Alternative ergibt, man also gewissermaßen »upgraden« kann. Am Ende passiert es dann häufig, dass der oder die Bekannte kurzfristig mit irgendeiner fadenscheinigen Begründung absagt, weil sich tatsächlich etwas scheinbar Besseres aufgetan hat.

Das »Upgrade« hat sich auch in vielen anderen Bereichen eingebürgert: Hat eine Fluggesellschaft etwas falsch gemacht, wird ein »Upgrade« als Entschädigung angeboten. Durch das Zahlen mit der Kreditkarte verdient man Meilen, die man für ein »Upgrade« verwenden kann. Autovermietungen offerieren ein größeres Modell gegen ein geringes Aufgeld, Hotels ein besseres Zimmer etc.

Aufgrund der herrschenden Wirtschaftskrise dürfte sich dieses Prinzip meiner Ansicht nach nun aber gründlich ändern. Visa, Mastercard & Co. haben die Limiten längst reduziert oder gestrichen und erhöhen die Zinsen bis auf 30 Prozent. Neue Kreditkartenangebote werden nur noch sehr selten verschickt: kamen früher jeden Woche fünf bis zehn ins Haus geflattert, ist es heute vielleicht noch eines. Finanzierungsangebote seitens der Händler (Auto-, Möbelfirmen, etc.) sind seltener geworden, die Anforderungen deutlich gestiegen. Die günstigen Leasingangebote der Fahrzeughersteller sind fast ganz verschwunden – nun gibt es für den gleichen monatlichen Betrag nur noch ein kleineres Auto.

Das »Upgrade«-Kultur fällt somit der Krise zum Opfer. Mit weitreichenden Folgen: Die Konsumenten geben weniger Geld aus, das Bruttosozialprodukt sinkt entsprechend.

Auch bei der Mobilität macht sich dies bemerkbar. Im letzen Jahr zogen gerade mal 35,2 Millionen Amerikaner (11,9 Prozent der Bevölkerung) um. Im Jahre 2007 waren es noch 38,7 Millionen (13,2 Prozent). 65 Prozent blieben dabei im gleichen Landkreis, nur 13 Prozent siedelten in einen anderen Bundesstaat über – deutlich weniger als früher. Die sprichwörtliche Mobilität der Amerikaner (im Schnitt kauft der US-Bürger alle sieben Jahre ein neues Haus) hat also bereits unter der Wirtschaftskrise gelitten. Was nicht verwundert: Wer über weniger Geld für ein häusliches »Upgrade« verfügt, bleibt naturgemäß länger in seiner alten Bleibe wohnen.

Generell bin ich der Meinung, dass sich Amerikaner in Zukunft weniger Dinge kaufen werden, die sie schon haben. Das hört sich zunächst banal an, bedeutet für diese (Konsum-) Gesellschaft aber eine echte Revolution. Die Trend dürfte in Richtung weniger Wohnraum pro Person, kleinere Autos (für europäische Verhältnisse immer noch große Autos) und längere Zyklen beim Neukauf von Konsumgütern gehen – alles in allem etwas, was ja nicht unbedingt schlecht sein muss. Und vielleicht werden Amerikaner in Zukunft dann ja auch bei Verabredungen nicht mehr auf ein »Upgrade« in letzter Minute warten …

Dies und Das 04/09

Korruption in den USA

Nachdem im Dezember 2008 Rod Blagojevich, der Gouverneur von Illinois, wegen Korruption im Rampenlicht stand, interessierte mich einmal die Frage, welcher US-Bundesstaat wohl die korruptesten Beamten und Politiker hat.

Ich habe drei Statistiken gefunden, die von der New York Times und dem US-Justizministerium erstellt wurden.

Bei der absoluten Anzahl der korrupten Politiker und Beamten war Florida die Nummer 1 der US-Bundesstaaten der Vereinigten Staaten. Nachdem ich hier nun 16 Jahre lebe und einigen Einblick in die politischen Verhältnisse gewonnen habe, wundert mich das gar nicht. Im Zeitraum von 1998 bis 2007 wurden insgesamt 824 Regierungsbeamte in Flordia überführt. New York steht mit 704 an zweiter Stelle, Texas mit 565 an dritter, dicht gefolgt von Pennsylvania (555) und Kalifornien und Ohio (je 547). Zu bemerken ist hier, dass größere Bundesstaaten in absoluten Zahlen natürlich mehr Regierungsbeamte beschäftigen als kleinere Staaten (korrupt oder nicht).

In einer zweiten Statistik wurde die Anzahl überführter Beamter per einer Millionen Bewohner ermittelt. Hier steht der District of Columbia (mit der US-Hauptstadt Washington) mit 66,9 Überführungen an erster Stelle, gefolgt von den Virgin Islands (46,9), Guam (40,5), North Dakota (8,3) und Alaska (7,9). Gegen den District of Columbia spricht natürlich, dass hier die Bundesregierung, der Kongress und Senat sitzen und somit Regierungsbeamten einen sehr hohen Anteil an der Bevölkerung ausmachen.

In einer dritten Statistik wurden die Antworten von politischen Journalisten  zusammengefasst, die in einer Umfrage die Beamten und Regierungsmitglieder auf einer Skala von 1 (sauber) bis 7 (korrupt) bewerten sollten. Auf Platz 1 (besser wohl als letzter Platz bezeichnet …) steht Rhode Island mit einem Gesamtwert von 5,5, gefolgt von Louisiana (5,4), New Mexico (5,3), Oklahoma und Delaware (je 5,0).

Bei allen drei Statistiken hinweg hat der Bundesstaat Nebraska am besten abgeschnitten und scheint am wenigsten korrupt.

Einen sehr interessanten Einblick in die Korruption gibt übrigens das Buch »Sins of South Beach« von Alex Daoud. Er war sechs Jahre als Stadtrat und dann sechs Jahre als Bürgermeister von Miami Beach und maßgeblich an der Wiederbelebung von South Beach beteiligt. Absolut lesenswert!

 

Kreative Steuergesetzgebung

Hier schlägt die Kreativität der Regierungen und Beamten zu: Die nachstehende Graphik (basierend auf Information des deutschen Magazins FOCUS) zeigt die Anzahl der Seiten der für Unternehmen relevanten Steuergesetzgebung auf nationaler Ebene der einzelnen Staaten. Es zeigt mir auch, dass meine Entscheidung, bei meinem Umzug aus der Schweiz von der Steuerberatung in den Immobilienbereich zu wechseln, wohl richtig war.

fiskus

 

Wussten Sie, dass …

der Schwabe Carl Lämmle als Gründer Hollywoods gilt? Lämmle wanderte 1884 nach Amerika aus und gründete die Produktionsfirma Universal Pictures, die zum größten Filmstudio der USA avancierte.

… Oscar Mayer, einer der größten Wurstfabrikanten der Welt, im Alter von 14 Jahren nach einer Metzgerlehre in Nördlingen nach Chicago auswanderte? Die Marke Oscar-Mayer-Wieners ist heute Teil der amerikanischen Alltagskultur geworden.

… vor dem 1. Weltkrieg ein Hot Dog als Frankfurter bezeichnet wurde? Erst durch den schlechten Ruf des Deutschen Reiches wurde die beliebte Wurst zum Hot Dog umbenannt.

… nach 1917 viele Staaten wie beispielsweise Iowa, Ohio und Nebraska den Gebrauch von Deutsch in der Öffentlichkeit sowie Sprachunterricht an Schulen verboten hatten. Durch den Krieg hatte sich eine starke anti-deutsche Haltung in der amerikanischen Öffentlichkeit entwickelt

… Elvis Presley, der King of Rock and Roll, deutsche Wurzeln besitzt? Ein entfernter Verwandter, Johann Valentin Pressler, ein Weinbauer aus Niederhochstadt, wanderte 1710 nach Amerika aus. Während des amerikanischen Bürgerkrieges wurde der Name Pressler anglisiert (Presley). Kann das der Grund sein, dass Deutschland Elvis so liebte?

 

Kurioses aus den USA

Männern in Miami ist es verboten, sich in der Öffentlichkeit in einem Morgenmantel ohne Gürtel sehen zu lassen.

Miami wurde im Jahre 1896 mit nur 300 Einwohnern zur Stadt ernannt.

In Florida dürfen Kinder und Jugendliche keine Harry-Potter-Bücher ohne schriftliche Erlaubnis ihrer Eltern aus Schulbibliotheken entleihen. 

In den USA darf man an einer roten Ampel rechts abbiegen, wenn es nicht durch ein Schild ausschließlich verboten ist.

 

Die Englisch-Lektion

In der deutschen Sprache existieren sogenannte Pseudo-Anglizismen. Dies sind englische Begriffe, die es entweder im Englischen gar nicht gibt oder in anderen Zusammenhängen verwendet werden. Hier wieder einige Beispiele:

Oldtimer ist im Deutschen ein altes Auto. Im englischen Sprachgebrauch ist jedoch ein alter erfahrener Mensch gemeint.

Unter einem Beamer wird im Deutschen ein Videoprojektor verstanden. Im Englischen ist dies ein Slangausdruck für die Automarke BMW.

Ein Blackout haben, bedeutet im Deutschen »einen Aussetzer haben«, »den Faden verlieren«, »nicht weiter wissen«. In der englischen Sprache versteht man unter einem Blackout einen Stromausfall.

Ein Spleen im Deutschen ist eine Macke, Tick, Eigenheit. Im Englischen jedoch ist damit die Milz gemeint.

In der deutschen Marketingsprache ist ein Blow Up ein sehr grosses Poster oder Reklametafel. Im Englischen hingegen kann damit auch eine Explosion gemeint sein.

Ein Peeling im Deutschen muss mit Facial oder Scrub im Englischen übersetzt werden, die wörtliche Übersetzung bedeutet Schälen.

Das Wort Pullover gibt es in dieser Bedeutung nicht im Englischen, man spricht hier von einem »sweater«. Pull over hingegen heißt rechts ran fahren, an die Seite fahren. Wird das von einem Polizisten gesagt, dann sollte man umgehend Folge leisten – ansonsten wird es sehr ungemütlich bis zu gefährlich, da der Polizist vermutet, einen flüchtigen Verbrecher erwischt zu haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

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